Neuwicklung eines 30kW Asynchronmotors im Rekordtempo

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Schnelle Hilfe im Kieswerk: 30-kW-Motor in nur 5 Tagen neu gewickelt

Produktionsstillstand ist im Industriebereich selten geplant – und wenn er doch eintritt, zählt jede Stunde. In einem Schweizer Kieswerk fiel kürzlich ein zentraler 30-kW-Antriebsmotor aus und brachte die gesamte Anlage zum Erliegen. Für den Betreiber war sofort klar: Es braucht eine Lösung im Rekordtempo.

Der Motor selbst war kein Standardantrieb. Es handelte sich um einen 4-poligen Asynchronmotor mit 1440 U/min und 12 Spulen, die in zwei parallelen Gruppen pro Phase geschaltet waren. Ein elektrisch anspruchsvoller Aufbau, der Erfahrung und Fingerspitzengefühl in der Reparatur erfordert.

Tag 1
Bei der ersten Analyse zeigte sich der Grund für den Stillstand: In einer Phase war ein Massenschluss entstanden. Öl und Schmutz hatten sich in der Wicklung abgelagert, weshalb der Motor zunächst gründlich gereinigt, ausgewaschen und anschliessend über Nacht getrocknet wurde. Die Hoffnung, der Kurzschluss sei allein durch die Verschmutzung verursacht worden, bestätigte die Zwischenprüfung jedoch nicht: die Wicklung musste ersetzt werden.
Dem Betreiber standen zwei Wege offen: ein Neumotor mit rund 11 Wochen Lieferzeit oder eine komplette Neuwicklung im Eilverfahren. Da die Anlage schnellstmöglich wieder anlaufen musste, entschied man sich für die Express-Neuwicklung.

Tag 2
Zu Beginn des Tages wurde der Motor erneut elektrisch überprüft, um endgültig auszuschliessen, dass nur Ablagerungen für die Störung verantwortlich waren. Da sich dabei keine Entwarnung ergab, nahm unser Wickler Marin alle notwendigen Daten des Motors auf. Denn nur auf diese Weise, lässt sich eine Wicklung originalgetreu rekonstruieren. Erfasst werden dabei unter anderem Leistung, Drehzahl, Polzahl, Schaltung, Wicklungsaufbau, Windungen und Isolationskonzept.
Anschliessend wurde die vorhandene Wicklung vollständig geschleisst und der Stator sandgestrahlt, um sämtliche Rückstände zu entfernen. Parallel dazu liefen bereits die Vorbereitungen für die neuen Spulen auf Hochtouren. Insgesamt 15 kg Kupferdraht wurden dafür verarbeitet.

Tag 3 + 4
Die darauffolgenden Tage standen ganz im Zeichen des  Wickelns, Spulen einlegens und Schaltens. Am Freitagabend wurde der Motor in Lack getaucht und rund zwei Stunden im Tauchbad belassen. Dieser Prozess mag lang erscheinen, ist jedoch entscheidend: Der zähflüssige Lack muss jede noch so kleine Ritze erreichen, Luft verdrängen und die Wicklung so dauerhaft schützen. Die anschliessende Ofentrocknung bei 140 °C über Nacht gewährleistet, dass die Isolation vollständig aushärtet.

Tag 5
Am Montag wurden abschliessend alle mechanischen Kontaktflächen sorgfältig nachbearbeitet. Bohrlöcher, Passränder und alle relevanten Flächen wurden vom Lack befreit, damit beim Zusammenbau kein unerwünschtes Material den perfekten Sitz der Komponenten beeinträchtigt.
Danach übernahm die Werkstatt: Nach dem Zusammenbau unseres Mechanikers Fredu, führte Fäbu (Bereichsleiter Wicklerei) die elektrische Schlussprüfung durch. Hier wurden unter anderem Stossspannung, Isolationswerte und Wicklungswiderstände gemessen sowie die Symmetrie der Stränge geprüft. Erst wenn alle Werte im grünen Bereich liegen, verlässt ein Motor unsere Werkstatt.

Fünf Arbeitstage nach der Ankunft konnte der Motor wieder im Kieswerk eingesetzt werden. Für den Betreiber bedeutete das: Minimaler Stillstand, schnelle Wiederaufnahme der Produktion und eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung unter Zeitdruck.